Der Saubär-Blog

18.11.2016
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Kosmetik-Hamstergene: Opa hatte einen Seifenschrank

Vorhin las ich auf irgendjemandes Pinnwand von einem "Hamstergen". Ich wette, das war scherzhaft gemeint, aber der Gedanke ließ mich nicht los: Gibt es das Hamstergen und wenn ja-- gibt es ein spezielles Kosmetik-Hamstergen?


Viele von euch werden es aus dem Familien- und Bekanntenkreis kennen: Es gibt innerhalb von Familien so etwas wie auffällige Häufungen von Sammlern und Hamsterern, die ganze Räume vollstellen mit hobbybedingten oder aber pseudo-ökonomisch motivierten Käufen aller Couleur. Ob es sich dabei wirklich um eine genetische Veranlagung handelt oder um Sozialisation bzw. Erziehung (oder eine Kombination aus beiden), das lasse ich mal beiseite und lege mich auf die mögliche Veranlagung fest. Dabei interessiert mich: Gibt es das speziellere Kosmetik-Hamstergen?


Nun -- ich behaupte: Ja! Zumindest in meiner Familie. Mein Vater hat die Macke, Duschgels und Shampoos in völlig abstrusen Mengen zu kaufen -- und zu verbrauchen! Was ein häufiges Streitthema zwischen meinen Eltern war und immer noch ist. In meinem Kopf schwirren solche Gesprächsfetzen wie:


*"Wozu gleich vier Flaschen Shampoo -- gibt's morgen keins mehr zu kaufen?"

*"Drei Flaschen vom gleichen Duschgel? Der Wannenrand ist schon voll damit!"

*"Andere Männer zieht es in die Elektroabteilung, du stehst ewig bei den Duschbädern!"

*"Wenn du noch mehr von dem Zeug auf deine Haut schüttest, hast du bald gar keine mehr".


Die Liste könnte ich ewig fortsetzen. Mein Vater ist irgendwann dazu übergegangen, seine Hamsterkäufe im Keller zu verstecken, um diesen und ähnlichen Sprüchen zu entgehen. Bis meine Mutter dahinter kam -- und seitdem regelmäßig Inspektion macht.


Ähnliche Szenen spielten sich bei meinen Großeltern väterlicherseits ab. Mein Opa sammelte zwar alles Mögliche wie Uhren, Barometer, Kugelschreiber und (!) Kekse, aber eben auch Seife. Unmengen von Seife. So viel Seife, dass die Augen begannen zu tränen, wenn man den Seifen-Schrank öffnete (ja, Opa hatte einen *Seifen-Schrank*).


Nun muss ich dazu sagen: Im sozialistischen Polen war es durchaus nicht unklug, sich zu bevorraten, denn streckenweise war die Versorgungslage richtig finster und selbst die einfachsten Verbrauchsmittel des täglichen Bedarfs waren nicht zu bekommen. Eine Erklärung für die ausgesprochen kosmetische Hamster-Manie meiner männlichen Vorfahren ist das aber nicht. Andere Männer in der Volksrepublik hatten diese Macke nämlich nicht -- die meisten Frauen ebenso wenig.


Und: Ich kenne außer mir keine übergesiedelten Landsleute, die extra deckenhohe Schränke aufstellen müssen, um Stauraum für DUSCHGEL UND SHAMPOO (!) zu schaffen.


So: Und jetzt nochmal die Eingangsfrage. Gibt es das spezielle Kosmetik-Hamstergen? Ich zumindest muss mich anstrengen, nicht daran zu glauben.


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